Am 13. Februar 2004 verstarb nach schwerer Krankheit und doch unerwartet unser hochverehrter Ehrenvorsitzender,

Professor Dr. h. c. Heinz Friedrich.

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Die Nachricht trifft die ihm Verbundenen zwar nicht unvorbereitet und doch wie ein Blitz: so stark, so unverbrüchlich vermittelte er mit seiner Präsenz die Zusage, die ihm anbefohlenen Dinge, denen er sich einmal angenommen und die er bei sich aufgenommen hatte, in der rechten Weise zu halten und zu geleiten.

Sein exemplarischer wie einzigartiger Lebensweg, sein Ingenium, seine hohen Erfolge und Verdienste als ein herausragender Mann im Kreise derer, die dafür einstanden, dass nach dem Zusammenbruch Deutschlands und Europas das Licht des Geistes wieder leuchten, d.h. wahrgenommen werden und die gebrochenen Zustände sich allmählich bis zu einem gewissen Grade wiederaufrichten konnten – dieser Weg in seinen Etappen und wesentlichen Stationen ist und wird von berufenen Seiten dargestellt. Aus unserem Kreis ist Prof. Dr. Harald Seubert, Gründungsmitglied und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Nietzsche-Forums München e.V., in seinem Gedenkwort für Heinz Friedrich darauf eingegangen.

Für das Nietzsche-Forum München bleibt das Schicksal der Begegnung mit Heinz Friedrich ein großes, Weg-ermöglichendes Glück.

Nachdem der frühere Nietzsche-Kreis München, in welchem sich die hoffnungsvollen Anfänge der Münchener „Nietzsche-Gesellschaft“ in der Nachkriegszeit und den darauffolgenden Jahren fortsetzten, nach langer Odyssee in der Schwabinger Seidlvilla eine Art Heimkehr erleben durfte, konnte und musste mit dem Gedenken zu Friedrich Nietzsches 150. Geburtstag am 15. Oktober 1994 ein gebührendes Zeichen gesetzt werden. Es waren Heinz Friedrich und der am 1.1.1996 verstorbene Manfred Zahn, der Münchner Philosoph an der Ludwig-Maximilians-Universität, die sich sogleich und ohne Umschweife dazu bereit fanden.

Beide Vorträge zum Gedenken von Friedrich Nietzsches 150. Geburtstag (Heinz Friedrich: „Mit Nietzsche leben. Stationen (m)einer Nietzsche-Rezeption“; Manfred Zahn: „´Die Zeit für kleine Politik ist vorbei´. Friedrich Nietzsche und Europa“) sind in unserer Jahrbuch-Reihe: Mit Nietzsche denken. Publikationen des Nietzsche-Kreises bzw. Nietzsche-Forums München, Band 1, dokumentiert.

Und als es darum ging, anlässlich des 80. Gründungsjubiläums der Nietzsche-Gesellschaft e.V., das wir am 30 November 1999 in der Seidlvilla feierten, diese Tradition einer im Münchner Kulturleben verankerten Auseinandersetzung mit Nietzsche Nachdruck zu verleihen, war Heinz Friedrich zur Stelle und erklärte sich bereit, dem Nietzsche-Forum München als dessen Ehrenpräsident vor- und beizustehen. Dieser von ihm in einem bewussten Prozess des Entschlusses bekräftigten Beistand und seine ausdrückliche Ermutigung gab den Ausschlag, den Schritt zur Neugründung zu wagen, den er als Ehrenvorsitzender und Gründungsmitglied, zusammen auch mit seinem Freund, dem am 16. Juli 2002 verstorbenen Professor Werner Ross, mitvollzog. Die Zielsetzung des Vereins in unserer Satzung entstammt wesentlich seiner Feder.

Als es im Jahr 2000, dem Jahr des 100. Todestages Friedrich Nietzsches, einen weiteren Höhepunkt zu setzen galt, eröffnete Heinz Friedrich das Forum eines Denkens mit Friedrich Nietzsche zum Jubiläumsjahr durch seinen Vortrag „Ecce Homo – Nietzsches ´Übermensch´ im Zwielicht unserer Erfahrung“, dessen Dokumentation im Jahrbuchband 3, der die Beiträge dieses Symposions und weitere Vorträge vor dem Nietzsche-Forum München enthält, nun ein Vermächtnis bleibt.

Er, der jederzeit, inmitten all der Aufgaben und Pflichten von Rang, denen er nachkam, den an ihn gerichteten Fragen und Bitten, den großen wie den alltäglichen, eine sorgfältige Berücksichtigung zukommen ließ, der sich Mitglieder-, Beiratsversammlungen und Besprechungen zumutete, der bis zuletzt Vortragsabende für das Nietzsche-Forum München plante und im Sinn trug, der in der Tat durch sein Denken und Leben das „Obere“ mit dem „Unteren“ zu verbinden trachtete und die Bürde des Menschen, beiden Bereichen anzugehören, exemplarisch trug, hinterlässt uns die Ermutigung, den Weg, den als in der heutigen Welt zu beschreiten möglich er dokumentierte – und den er [bezüglich der Arbeit des Nietzsche-Forums München] in seinem Geleitwort zu Band 2 der Publikationen auswies – fortzusetzen.

„Heiterkeit, güldene“ – mit welchem Klang aus Nietzsches Dionysos-Dithyramben Johann Prossliner seinen Vortrag zu „Nietzsches Lyrik“ – am 18. Februar 2004 in der Seidlvilla – angekündigt hat, sei ihm zugedacht und zugesprochen, der nun nicht mehr mit der tiefen Bürde des Menschseins behaftet seinen Weg in unserer Welt geht.

„Silbern, leicht, ein Fisch

schwimmt nun mein Nachen hinaus...“

(Friedrich Nietzsche, Dionysos-Dithyramben, KSA 6, S. 397))



Beatrix Vogel