Mit großer Freude begrüßen wir Frau Professor Maria Friedrich als neue Ehrenvorsitzende des Nietzsche-Forums München.

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Heinz und Maria Friedrich im Roithamer Wald Sommer 1994
fotografie: stefan moses

Als Herr Professor Dr. h.c. Heinz Friedrich am 13. Februar 2004 plötzlich verstarb, verloren wir nicht nur unseren ersten Ehrenvorsitzenden, Förderer und Mitbegründer des Nietzsche-Forums München als eines rechtsfähigen Vereins; vermissten wir nicht nur einen der größten Förderer Nietzsches – man vergegenwärtige sich nur die Bedeutung der Herausgabe der Kritischen Studienausgabe der Werke Nietzsches im dtv-Verlag, die wir ihm verdanken –; wir trauerten um ihn als einer Stütze des Geistes, ja, geradezu als Exempel der Wiederaufrichtung einer geistigen Existenz, die uns in einer Zeit des Umbruchs und kulturellen Zerfalls sehr fehlt. So wurde auf der Mitgliederversammlung am 6. April 2004 beschlossen, Herrn Professor Heinz Friedrich weiterhin als Schirmherr zu führen, ihn, der wie kaum eine andere Person der Öffentlichkeit – zwischen akademischer, philosophischer literarischer und kaufmännischer Welt – für das stand, worum wir uns bemühen: Bildung, auf aktive Aneignung ausgerichtet, auf die Umwandlung von „Wissensgütern“ in gemeisterte Lebenswirklichkeit, in selbständiges Denken und Handeln; und, als Faustregel der Bewusstseinsentwicklung, das Anliegen, dass die lebensleitenden Werte – das Wozu des Lebens – sich nicht der Dominanz des Materiellen und Comerziellen zu weit beugen und unterordnen dürfen.

Doch bedarf die Arbeit unseres Forums neben der Vor-Prägung durch bedeutende Verstorbene – hier wäre auch Jörg Salaquarda und Werner Ross zu gedenken – ebenso der fördernden Bestimmung durch die Lebenden; und so erfüllt es uns mit Freude und Dankbarkeit, dass unser dringender Herzenswunsch, die Position des Ehrenvorsitzenden nicht unbesetzt zu lassen, sich nunmehr aufs Schönste erfüllt, indem Frau Professor Maria Friedrich, trotz der kolossalen Belastungen durch die zusätzlichen Aufgaben in der Verwaltung des Nachlasses ihres verstorbenen Mannes, unserem dringenden Wunsche stattgegeben hat und bereit ist, dem Nietzsche-Forum München fürderhin als Ehrenvorsitzende zur Seite zu stehen – in den Fußstapfen Ihres Mannes und doch ganz als Sie selbst, in Ihrer eignen Weise –, was auf der Mitgliederversammlung am 6. April 2005 offiziell besiegelt wurde.

Wir danken Frau Professor Maria Friedrich von ganzem Herzen. Sie ist uns eine geliebte und verehrte Mentorin im wahrsten Sinne des Wortes: in dem Geiste, der ihre Lebensgemeinschaft mit ihrem verstorbenen Mann, dem verehrten Professor Heinz Friedrich, kennzeichnet – denn freilich hat sich diese intensive Partnerschaft als ein Wesensbestandteil in beider Leben eingeprägt–; und doch zugleich ebenso in dem, was von jeher der Leitstern ihres Wirkens, ihres reichen, auch an überraschenden Wendungen und Herausforderungen reichen Lebens- und Entwicklungsweges war; zumal in ihrem besonderen Charisma einer wahren Pädagogin: als Anregerin, Lehrerin, als Geburtshelferin der schöpferischen Fähigkeiten anderer, die sie die ausgeprägte Gabe hat, zu wecken, zu steigern und zu kultivieren.

Die Liebe zu Dichtung und Literatur, zur Sprache, zur Kunst war auf ihrem Lebensweg stets ein ganz wesentlicher Anreiz,  sei es auf dem Theater, als Schauspielerin, Regieassistentin, Dramaturgin; in Ihrer publizistischen Tätigkeit für Zeitung und Rundfunk; als Verlegerin, in der verlegerischen Leitung der Kinder-und Jugendbuchreihe dtv-Junior im Deutschen Taschenbuch Verlag (die dadurch ein neues Gesicht und Ansehen gewann, dass Frau Professor Friedrich an Kinder- und Jugendlichenliteratur Maßstäbe anlegte, die an poetische Werke, an Werke mit schöpferischer Bild- und Aussagekraft überhaupt angelegt werden, sowie auch  durch ihre Junior-Lexika: ein Literatur-Lexikon und ein Schauspielführer für Kinder); sei es als Professorin der Akademie der Bildenden Künste München zum Thema „Bild und Buch“ sowie als Dozentin der Universität Regensburg zu „Verlegerischen Aufgaben zum Thema Kinder- und Jugendbuch“; oder schließlich als Leiterin eines Literaturkreises (bis heute), den sie Mitte der 90er Jahre als neue Sphäre Ihrer Tätigkeit ins Leben rief.

Frau Professor Maria Friedrich ist, wie Ihr verstorbener Mann, ein „Hommes de lettre“ – im Mittelpunkt des Interesses stehen Deutsche Autoren als Akteure im gesamten europäischen Kulturkontext, d.h. (im Goetheschen Verständnis) im Kontext von Weltliteratur –, der deutschen Kultur und Sprache aufs Tiefste verpflichtet, in einer Zeit der Überlagerung der Kultur durch die kommerziellen Interessen einer Unterhaltungsgesellschaft; gleichzeitig bewegt von Ethos und Idee einer Pädagogik ohne Eingrenzungen, in der Überzeugung, dass theoretische Erörterungen allein nicht ausreichen.

Liebe, verehrte Maria Friedrich: „Sie sind die richtige!“, um dem Nietzsche-Forum München als Ehrenvorsitzende zur Seite zu stehen: es sei mir gestattet,  Sie mit diesen Worten eines vormaligen Präsidenten der Akademie der Bildenden Künste von Herzen willkommen zu heißen! Ferdinand Avenarius´ Gedichtanthologie  – „das Fröhliche Buch“: ihr Lieblingsbuch (mit Vignetten, Schattenrissen und Bildern) hat Sie von Kindheit an begleitet.  Möge Ihnen der Ehrenvorsitz  des Nietzsche-Forums München als dem Ort einer lebendigen, lebensbezogenen, „fröhlichen Wissenschaft“ eine Freude bedeuten; möge Ihre Gabe, die schöpferischen Kräfte herauszufordern, zu steigern und zu kultivieren, dem Forum als einer Denk-Agora zugute kommen!  (Beatrix Vogel)


Ehrungen

Neben der Verlagsleitung und der Lehrtätigkeit engagierte sich Maria Friedrich aktiv in verschiedenen Gremien. Sie war Vorstandsmitglied, zeitweise auch Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlegern (1983-1991 bzw. 1985-1988), Jurymitglied des Kinder- und Jugendbuchpreises „Die silberne Feder“ (ab 1993) und Vorstandsmitglied der Erich-Kästner-Gesellschaft (1996-2000).

Für ihr vielseitiges und erfolgreiches Lebenswerk wurde Sie mehrfach ausgezeichnet: u.a. mit dem Bundesverdienstkreuz (1987), dem Volkacher Taler der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur (1988) und der Medaille „Pro Meritis“ des Bayerischen Staatsministeriums für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst (1994). Eine besondere Ehrung wurde ihr durch die Verleihung der Goldenen Nadel des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels zu Ihrem 80. Geburtstag im Jahr 2002 zuteil sowie durch die Ernennung zum Ehrenmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste im Jahr 2004.