Stipendiat
Werner-Ross-Stipendium 2011
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Dennis Peterzelka

Lebenslauf

Dennis Peterzelka studierte in Tübingen und an der Hong Kong University Philosophie, Volkswirtschaftslehre und Rhetorik. Dabei war er Tutor, Hilfswissenschaftler und sowohl in der Philosophie wie auch in der Volkswirtschaftslehre am Seminar beschäftigt. Als Student wurde er mehrfach ausgezeichnet, unter anderem als Stipendiat des Studienkollegs am Forum Scientiarum, wo er zu „Virtualität und Kognition“ forschte. Seine philosophischen Interessenschwerpunkte liegen in der Argumentationstheorie, der praktischen Philosophie sowie der Epistemologie und der Philosophy of Mind. Seit seinem erfolgreichen Studienabschluss in 2010 promoviert er bei Prof. Dr. Dres. h. c. Manfred Frank und PD. Dr. Wolfgang M. Schröder. Dabei plädiert er für eine Neuinterpretation von Nietzsches Wiederkunftsdoktrin sowie dessen amor fati  – ein Themenkomplex, für den er bereits als Student mit verschiedenen Vorträgen und Veröffentlichungen eintrat und dem er sich in seiner Dissertation nun in einen größeren Zusammenhang eingebettet widmet.

Projektskizze

Das Dissertationsprojekt von Dennis Peterzelka stellt zwei zentrale Stränge von Nietzsches Philosophie gegenüber: Auf der einen Seite steht dabei Nietzsches Kritik an Kirche und Gesellschaft in Form der asketischen Ideale, welche auf der anderen Seite mit seinen positiven, antinihilistischen Überlegungen – dem amor fati – verglichen werden.
Voraussetzung für Engführung beider Pole ist eine Neuinterpretation des amor fati, welche den ursprünglichen Untertitel des Zarathustra – „Ewigkeit und Mittag“ – ins Zentrum der Betrachtung rückt. Diesem Ansatz zufolge etabliert „Ewigkeit“ – also die ewige Wiederkehr – einen strengen Determinismus, welcher die Zukunft als Wiederholung der Vergangenheit begreift. Ein solcher Determinismus kann aus der individuellen Perspektive auch als Schicksal bezeichnet werden – oder lateinisch als fatum. Der „Mittag“ – eine Allegorie für den vollkommenen Augenblick – erlaubt die Bejahung des Schicksals und verbirgt den ersten Teil der Konzeption, den amor. Dabei sind logisch sowohl „Ewigkeit“ als auch „Mittag“ jeweils notwendig und beide zusammen hinreichend für die Schicksalsliebe. Da erst ein solchermaßen hergeleiteter amor fati auf der gleichen ontologischen Stufe steht wie die in den asketischen Idealen kritisierten Konzeptionen, können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen dem Kritisierten und Nietzsches eigenen Lehrstücken betrachtet werden.
Aus dieser Überlegung ergibt sich die Kernthese des Dissertationsprojekts, der zufolge Nietzsches amor fati die an den asketischen Idealen lobend hervorgehobenen Punkte beherzigt, v.a. indem er aninihilistisches Potential entfaltet; wobei er zugleich die kritisierten Facetten vermeidet, da er weder „Ressentiment“ noch einer sog. „Sklavenmoral“ den Boden bereitet. Allgemeiner gefasst soll gezeigt werden, wie Nietzsches positive Philosophie die Überprüfung am Maßstab seiner Kritiken besteht und so ein konsistentes, stimmiges Bild ergibt. Dies wäre gerade bei einem unter Philosophen so umstrittenen Denker wie Nietzsche ein beachtliches Ergebnis.
Nachdem Nietzsches Argumentation bisher von innen heraus entfaltet wurde, wird in diesem Schritt der amor fati gewissermaßen von außen betrachtet. Dabei werden die Folgen und Nebenfolgen der Konzeption zunächst deskriptiv und schließlich normativ anhand „externer“ philosophischer Maßstäbe in den Blick genommen und abschließend kritisch gewürdigt. Zielsetzung des Projektes ist es weder die teils gefährliche Radikalität von Nietzsches Ansichten herunterzuspielen noch den zum Teil haltlos übertriebenen Vorurteilen seinen Überlegungen gegenüber zu folgen; vielmehr wird Nietzsches Philosophie mit der gebotenen Umsicht mittels der analytischen Methode an intrinsischen und extrinsischen Maßstäben gemessen.