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Themenschwerpunkt 2012 |
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Zur Vortragsreihe. Einführung von Dr. Elke Wachendorff Idee und Zielvorstellung dieser Reihe ist, Also sprach Zarathustra – Nietzsches erklärtes Lieblingswerk – eingehender zu befragen, in seinen Schichtungen zu begreifen und diese successive zu erarbeiten. Als eine erste Schicht wird dabei die historische und religionswissenschaftliche Basis angesetzt werden: die historische Figur Zarduscht und der Ursprung des Zoroastrismus, so wie in den Gesängen und Texten der Gathas und des Avesta erhalten, einerseits, so wie im Forschungstand des 19. Jhdts. und Nietzsches eigenen Kenntnissen belegt und anzunehmen andererseits. Als eine zweite Schicht wird die im Text erzählte Geschichte betrachtet werden in Hinblick auf die Funktion, Rolle und Aufgabe der von Nietzsche präsentierten Figur Zarathustra, in Kontrastierung mit der historischen Gestalt einerseits, in Bezug auf alternative Gestaltungsversuche Nietzsches andererseits. Denn Zarathustra soll des historischen Zarduscht's grobe Fehler wieder gut machen können. Als eine dritte Schicht wird die Frage gestellt werden nach den Aspekten und Mitteln des Maskenspiels, das Nietzsche inszeniert, um seine Ziele zu erreichen. Doch: welche Ziele? Nietzsche wollte vor allem nicht mit dieser seiner Figur verwechselt werden…
Alfred Gulden(Saarlouis), Schriftsteller und Filmer, wird unter dem Titel „Nietzsche eine Stimme geben“ zu den jeweiligen Vorträgen aus Nietzsches Zarathustra lesen.
1. Vortrag am 30.01.2012: Zarathustra ist eine Erinnerungsfigur, die schon lange vor Nietzsche in Ost und West in verschiedenartige Geschichten verstrickt und mit gegensätzlichen Wertungen versehen worden war. Was aber wissen wir über den historischen Zarathustra (so es ihn überhaupt gab!): sein Wirken, seine Zeit, seine Heimat? Der Vortrag versucht eine vorsichtige Bilanzierung vor dem Hintergrund des aktuellen iranistischen und religionsgeschichtlichen Forschungsstands.
2. Vortrag am 05.03.2012: In einem ersten Zugang geht es um die Kenntnisse, die sich Nietzsche in seinem Bildungsweg über „Zoroaster“ angeeignet hatte. Nietzsche ist sowohl der allgemein verbreiteten Rezeption dieser großen Gestalt begegnet als auch in religionswissenschaftlichen Werken seiner Zeit.
3. Vortrag am 02.04.2012: Ausgehend von der Bedeutung der Figur Zarathustra für Nietzsches Philosophieren und deren Untergang als Lehrer, wie ihn Nietzsche in seiner Dichtung darstellt, wird nach dem bleibenden philosophischen Sinn seiner berühmten Lehren gefragt. Sie werden als Anti-Lehren, Lehren "für Alle und für Keinen", gedeutet. Nietzsche lässt Zarathustra sich bewusst vom Lehren abkehren und zum "Singen" übergehen, in das man frei ist einzustimmen oder nicht. Das zeigt Nietzsche in seinem berühmten Lied "Oh Mensch! Gieb Acht!", das in seinen "tiefen" Kontexten erschlossen werden soll.
4. Vortrag am 30.04.2012: Als Fürsprecher und als Lehrer der ewigen Wiederkehr ist Empedokles ein Modell für Nietzsches Zarathustra. Aber Lukians Kataplous bietet uns in diesem Zusammenhang noch mehr mit seiner Reflexion über die Beziehung zwischen Leben und Tod, d.h.: Zarathustras Untergang. Vor allem aber werden wir neue Aspekte in Zarathustras Lehre vom Übermenschen erkennen, wenn wir diese als eine Variante auf Lukians parodistisch-satirischen hyperanthropos wahrnehmen.
5. Vortrag am 11.06.2012: Der 4. Teil des Zarathustra ist von allen Teilen der umstrittenste. In ihm werden die philosophischen und ästhetischen Schwierigkeiten Nietzsches gleichsam in einem Prisma konzentriert. Es soll gezeigt werden, wie dieses Prima auch Licht auf allgemeine Verfahren Nietzsches zu werfen vermag, die den Zweifel an seiner philosophischen Zurechnungsfähigkeit gegenstandslos machen. Leitend für die Lektüre wird dabei die Rolle der Zeit sein: im inhaltlichen Sinne, aber auch in ihrer ästhetisch-zeitökonomischen Umsetzung im Text.
6. Vortrag am 25.06.2012: In einer Summa der Vorträge wird die Frage nochmals fokussiert werden auf die Intentionen und Hoffnungen, die Nietzsche mit Figur, Text und Gestalt seines Lieblingswerkes Zarathustra verfolgt haben mag, die Mittel, die er hierzu wählte, und die offen bleibende Frage nach dem Erfolg seiner Bestrebungen. |